Berechtigungen von Apps

In meinem Artikel über Installieren und Deinstallieren von Apps hatte ich darauf hingewiesen, dass man vor dem Herunterladen eines Programmes aus dem Google Play Store alle Berechtigungen akzeptieren muss, die die jeweilige App für sich einfordert. Viele Besitzer von Android-Smartphones fühlen sich nicht wohl dabei, einem Programm Zugriff auf Daten oder Funktionen ihres Gerätes zu gewähren; sie sind sich unsicher, ob all diese Zugriffe tatsächlich nötig sind, oder ob das Progrämmchen womöglich eine sammelwütige Krake ist, die sich bei den persönlichen Daten bedient. Im vorliegenden Beitrag möchte ich Licht ins Dunkel der App-Berechtigungen bringen.

Play Store Berechtigungen

Play Store Berechtigungen

Noch bevor eine neue App aus dem Google Play Store auf Ihr Android-Smartphone heruntergeladen wird, werden Sie gebeten, alle Berechtigungen zu akzeptieren, die in einem Fenster auf dem Bildschirm aufgeführt sind.

Um an dieser Stelle zu einer Beurteilung zu kommen, ob diese Forderungen gerechtfertigt sind, braucht es ein wenig Erfahrung und vor allen Dingen gesunden Menschenverstand. Die im Beispiel verwendete App Google Maps ist ein Landkartendienst aus dem Google-Imperium. Alle Google-Apps möchten wissen, unter welchem Google-Konto der Dienst verwendet wird. Das hilft zum Beispiel dabei, Karten und Orte, die auf einem PC abgespeichert wurden, auch auf dem mobilen Gerät aufzurufen. Daher rührt die Forderung nach dem Zugriff auf die Identität. Wer Maps zur Routenplanung verwenden möchte, wird sehr wahrscheinlich einmal in die Lage kommen, sich vom eigenen aktuellen Standort (GPS-Position oder Nachbarschaft zu bekannten WLANs) zur Adresse eines Bekannten oder Freundes aus seinen Kontakten lotsen zu lassen.
Den Zugriff auf Fotos/Medien/Dateien benötigt Maps, um Karten lokal auf dem Smartphone ablegen zu können, damit der Dienst nicht ständig über die Internetverbindung Daten nachladen muss. (Diese Möglichkeit schont Ihr Datenvolumen.) Die Notwendigkeit, WLAN-Verbindungsinformation zu kennen, leuchtet ebenfalls ein, da sonst die Standortbestimmung unmöglich wäre.

Woher soll ich das alles wissen?

Sie werden womöglich einräumen, dass Sie solche Begründungen im Vorhinein doch gar nicht kennen können, bevor Sie eine App heruntergeladen und ausprobiert haben. Dieser Einwand ist berechtigt, denn wer nicht weiß, wie eine App funktioniert und was sie alles kann, wird auch Berechtigungen nicht im Einzelnen prüfen können.
Gerade Neulinge werden hier keine abschließende Beurteilung abgeben können. Hier hilft wohl nur das Vertrauen in die Nutzergemeinschaft, die für die am meisten verwendeten Apps deren Schwachstellen offen legt. Im Fall von unbekannten Apps, zu denen Sie keine Informationen finden können, empfiehlt sich durchaus eine gesunde Portion Skepsis: Wozu braucht ein nettes, kleines, kostenloses Spielchen Zugriff auf Ihre Kontaktdaten oder Ihren Standort?

Eine gewisse Sicherheit bietet Ihnen die Versorgung mit Apps über den Google Play Store, dessen Angebot einer regelmäßigen Prüfung unterliegt. Denn Apps kann man auch über alternative Quellen (coming soon!) herunterladen und installieren. Wer jedoch nicht genau weiß, was er tut, sollte die Finger von solchen alternativen Apps lassen. Die Gefahr, dass man sich damit Probleme einhandelt, ist höher als im Play Store.

Play Store Berechtigungen wie bisher

Play Store Berechtigungen beim Update

Wie kann ich die Berechtigungen meiner Apps prüfen?

Vielleicht werden Sie sich jetzt fragen, welche Berechtigungen all die Apps haben, die bereits auf Ihrem Androiden installiert sind. Leider geizt der Google Play Store mit dieser Information mehr als notwendig.

Sie könnten sich ja womöglich darauf verlassen, dass Ihnen beim nächsten Update jeder App erneut alle Berechtigungen angezeigt werden, so dass Sie diese noch einmal durchsehen und auf Plausibilität prüfen könnten. Doch sofern die App im Vergleich zur Erstinstallation oder zum jeweils letzten Update keine zusätzlichen Berechtigungen einfordert, fehlt die Berechtigungsliste. Statt dessen sehen Sie – wie im Beispiel der hier abgebildeten App Stuffle – einen knappen Hinweis, dass alle Berechtigungen unverändert erhalten bleiben.

Nehmen wir einmal an, Sie möchten für irgendeine Ihrer installierten Apps nachsehen, worauf diese Zugriff hat, weil Sie das Programm schon seit Monaten oder Jahren verwenden und sich nicht mehr daran erinnern können, was damals bei der Installation angezeigt wurde. Womöglich war die App auch schon auf dem Gerät vorinstalliert, als Sie es bekommen haben?

Play Store Berechtigungen Link

Play Store Berechtigungen, Details ansehen

Öffnen Sie den Google Play Store, tippen Sie auf das sogenannte „Hamburger Menü“ – das sind die drei kurzen weißen Strichlein ganz links oben am Bildschirmrand neben dem Play Store Symbol. Ein Auswahlmenü erscheint, Sie wählen den Menüpunkt „Meine Apps“.
Nun erscheint eine mehr oder weniger lange Liste all derjenigen Programme, die Sie über den Play Store auf Ihrem Gerät installiert haben oder die bereits beim Kauf vorinstalliert waren. Wählen Sie das Programm, dessen Berechtigungen Sie nachsehen möchten.

Sobald auf dem Bildschirm die App-Seite angezeigt wird, schieben Sie den Bildschirm so weit es geht nach oben, bis Sie am unteren Ende der Seite angelangt sind. Dort finden Sie in der Rubrik „Zusätzliche Informationen“ unterhalb der Versionsbezeichnung, der Größe der App und der Einstufung des Inhalts einen Link:
BERECHTIGUNGEN Details ansehen.

Tippen Sie auf „Details ansehen“ und warten Sie, bis ein Fenster mit allen Berechtigungen angezeigt wird, die die App besitzt.

Play Store Berechtigungen Liste

Play Store Berechtigungen, Liste anzeigen

Diese Liste ist sogar noch umfangreicher als die Anzeige, die Ihnen bei der ersten Installation angezeigt wird.

Am Beispiel von Stuffle sehen Sie, dass ein Rechnungsdienst verwendet werden kann, um Flohmarkteinkäufe zu bezahlen, Benutzerkonten und der Standort eingesehen werden, um die nächstgelegenen Flohmarktangebote anzeigen zu können. Wer selbst inseriert, muss Fotos seiner Ware ablegen und hochladen, die sie oder er vor dem Einstellen direkt in der App mit der Kamera aufnehmen kann.

Für Insider am interessantesten sind meist die Einträge unter „Sonstiges“:
Hier sieht man zum Beispiel, ob eine App auf das Internet Zugriff hat, die automatische Bildschirmabschaltung deaktivieren oder Vibrations- oder akustische Signale aussenden kann. Man erkennt, ob die App automatisch gestartet wird und ständig im Hintergrund mitläuft und ob sie in regelmäßigen Abständen synchronisiert wird.

Gerade der letzte Punkt – der automatische Start und die Synchronisation – sollten immer hinterfragt werden. Eine App, die immer aktiv ist und automatisch Daten sendet und empfängt, kostet zum einen System- und Akkuleistung und sollte zum anderen hinsichtlich ihrer Datenschutzeigenschaften geprüft werden.
Eine Messenger-App wie WhatsApp, Telegram oder Threema funkt ganz sicher regelmäßig nach draußen; sonst könnte sie nicht nahezu in Echtzeit Botschaften empfangen und versenden. Spiele oder Dienste, die nur bei Bedarf aktiviert werden, sollten solche Berechtigungen jedoch nicht einfordern.

Es liegt ganz bei Ihnen zu entscheiden, welche Programme auf Ihrem Androiden welche Rechte bekommen. Nutzen Sie diese Möglichkeit, werfen Sie Apps raus, die Ihnen spanisch vorkommen.

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