Telegram

TelegramWas Tesa für eingerissene Buchseiten und Tempo für die tropfende Nase ist, das ist seit einigen Jahren die Smartphone-App WhatsApp für Kurznachrichten. Egal ob Android-Besitzer, iPhoner, Windows-Phone-Fan oder Blackberry-Nutzer: wer über ein Smartphone verfügt, verschickt Textnachrichten, Fotos und Information über den eigenen Standort über das Progrämmchen der Firma WhatsApp aus dem Silicon Valley. Die Kernfrage bei allen Messenger-Diensten lautet: Wo finde ich am meisten Kontakte? Wer ist wo dabei?

WhatsApp haben – oder hatten bis vor ein paar Monaten – alle. Und sehr, sehr viele nutzen es noch immer. Als die Betreiber des weltweit größten Sozialen Netzwerks Facebook Anfang 2014 die Firma WhatsApp übernahmen, bin ich jedoch ausgestiegen. Grund: Ich halte nicht viel von Sozialen Netzwerken im Allgemeinen, und Facebook im Besonderen ist mir ein Dorn im Auge. Unter keinen Umständen würde ich einen Account bei Facebook anlegen, ich hätte größte Angst um meine Privatsphäre. Wenn die Benutzerdaten von WhatsApp an Facebook weitergegeben werden und die Gefahr besteht, dass sogar meine Kurznachrichten gefiltert und zu meinem Account gespeichert werden, dann hört bei mir der Spaß auf.

Das Offenbarungsrisiko gegenüber Facebook wollte ich nicht eingehen und suchte daher Alternativen zu WhatsApp. Aus der ungeheuren Vielzahl an Messenger-Anwendungen kristallisierten sich rasch zwei Programme heraus, die meine WhatsApp-Kontakte mitgehen würden. Denn das war ja Bedingung: Meine Chatpartner mussten schon auch wechselwillig sein, sonst würde das nichts werden mit dem Auszug bei WhatsApp.
Dem Informatiker in mir bot die Schweizer Firma Threema die beste Alternative: Verschlüsselung der Nachrichten zwischen meinem Smartphone und dem des Empfängers, vollständige Kontrolle über die Sicherheitsschlüssel, Registrierung auch ohne meine Mobilrufnummer öffentlich bekannt zu machen. Aber hohe Sicherheit hat auch ihren Preis. Die Handhabung der Threema-App ist an mancher Stelle ein wenig umständlich, von manchen Kontakten kam bei mir zunächst nur eine unverständliche Identifikationsnummer statt des jeweiligen Namens an. Solche Einschränkungen führten dazu, dass nur sehr wenige meiner Kontakte zu Threema überliefen.

Letztlich ist eine große Gruppe meiner Freunde und Bekannten bei Telegram gelandet. Auch wenn die beiden Gründer der in Berlin ansäßigen Firma aus Russland stammen – ein Umstand der bei so manchem Misstrauen hervorruft -, scheinen sie ein technisches Konzept zu verfolgen, das den goldenen Mittelweg zwischen Komfort und Sicherheit beschreiten will.
So kann man in sogenannten Secret Chats Nachrichten von Anfang bis Ende verschlüsseln, muss dies jedoch nicht. Geheime Nachrichten können darüber hinaus mit einem Verfallsdatum versehen werden und verschwinden danach sowohl beim Absender als auch beim Empfänger. Die Sicherheit der eingesetzen Programmbibliotheken wird in Fachkreisen zwar nach wie vor diskutiert, aber die Betreiber sind sich wohl sicher, dass Telegram auch sicher ist; sie haben einen hohen Geldpreis ausgesetzt für diejenigen, denen es gelingt Telegram zu kompromittieren.
Ansonsten funktioniert Telegram fast genauso wie WhatsApp, nicht nur hinsichtlich der Funktionen sondern auch der Handhabung. Ein grünes Häkchen hinter jeder Nachricht bestätigt den Versand, das zweite Häkchen die Ankunft der Nachricht auf dem Smartphone des Empfängers.

Zur Verbreitung der drei Apps muss gesagt werden, dass WhatsApp mit derzeit rund 450 Millionen Teilnehmern immer noch weit an der Spitze der Nutzerzahlen steht. Threema wird von etwa 2,8 Millionen Anwendern genutzt, Telegram hat angabegemäß ungefähr 35 Millionen Nutzer.
(Stand jeweils März 2014)

Meine Empfehlung lautet daher: Verzichten Sie auf jeden Fall auf den Einsatz von WhatsApp, auch wenn die Nutzerzahlen nach wie vor in den Himmel schießen. Wenn Sie nur innerhalb einer klar definierten Gruppe mit iPhone- und Androidbesitzern Nachrichten tauschen wollen, sollten Sie Threema verwenden. Dann sind Sie auf der sicheren Seite. Da eine solche Begrenzung in der Praxis aber wenig Sinn ergibt, empfehle ich Telegram. Sie könnten dann persönliche Daten nur in Secret Chats versenden und sonst den offenen Versand einsetzen. Sobald sich an dieser Einschätzung etwas ändert, werde ich dies hier ergänzen.

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Zu den angesprochenen Apps im Google Play Store:

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